Archiv für die Kategorie ‘Schulthemen allgemein’

Alles rechts – oder was?

März 17, 2009

Na,

da hat eine neue „Gewaltstudie“ doch wieder was „Erschütterndes“ zutage gebracht:
So viele ausländerfeindliche Jugendliche in Deutschland (14,4%)!
So viele eindeutig rechtsextreme Teenager (5,2%)!
So viele Jünglinge, die einer rechtsextremen Gruppe auch angehören (4,9%)!

Ja, das ist absolutely schocking alles, schon klar.
Bloß dass diese rechtsextremen Gruppierungen erfolgreicher sind als alle anderen politischen Organisationen zusammen (!), ist schon ein wenig lächerlich. Da fragt man sich echt, wie schlecht die demokratischen Parteien sein müssen bei der Nachwuchswerbung, wenn sie von ein paar braunen Freaks da meilenweit überrundet werden. Scheint da echt ein wenig an Aufklärung zu mangeln.
Ansonsten … die meisten dieser Jugendlichen werden mit der Zeit sicherlich vernünftiger werden in ihrer politischen Stellung. Solange sie nicht allzu massiv in die inneren rechten Kreise gelangen, werden sie es aus dem braunen Sog auch schon wieder rausschaffen; vorausgesetzt, es wird wirklich zur Genüge aufgeklärt über den Unsinn, der verbreitet wird von den Rechtsradikalen.
Und umso mehr Gekreische darüber jetzt laut wird, desto mehr Popularität erlangen diese braunen Kreise auch. Das wäre vielleicht noch zu beachten, bevor es hier zur Massenhysterie über die „verschmutzte Jugend“ kommt. Bei solchen nun wirklich nicht all zu bedrohlich anmutenden Prozentsätzen ist das nämlich wirklich ein wenig unangebracht, auch wenn ein paar gut gemachte Präventionsideen natürlich nur Willkommen sind, doch das waren sie vorher ja auch schon.

Apropos verschmutzt: Es gibt etwa vier Mal so viele Pornokonsumenten wie Raucher in Deutschland. Bevor man hier über die eher kleineren Makel der Jugend hermacht, sollte man vielleicht mal über die negativen Folgen des Pornographiekonsums bei Jugendlichen (natürlich auch bei Erwachsenen; da wäre es sehr ratsam, auch mal vor der eigenen Haustür zu kehren) etwas sagen. Zum Beispiel, dass die Persönlichkeitsentwicklung ganz schön krumme Wege gehen kann, werden Rollenbilder übernommen aus den Filmchen. Oder, dass bei sukzessiver Steigerung des Konsums (in Häufigkeit wie auch in „Qualität“), welche sehr oft automatisch einsetzt, da beim Betrachten der „schönen“ Bilder ein Belohnungssystem des Gehirns aktiviert wird, eine gewisse Abstumpfung einsetzt, verbunden mit nur noch maschineller Reaktion, was im wirklichen Geschlechtsverkehr ziemlich frustrierend sein kann.

Aber DAS ist natürlich ein Tabuthema, wär doch schlimm, wenn man selber als Erwachsener keine tollen Filme mehr gucken dürfte. Also lieber totschweigen und nur über die Makel der Jugend herfallen, die einen selbst nicht betreffen.
Top!

rev

Aufruf zur Schulverweigerung!

März 15, 2009

Eine rasch dazwischen geschobene und ebenso rasch verfasste Meldung ist es, die es hier jetzt zu belesen gibt.
Beim obligatorischen Surfen hochrangiger Funktionäre der DYNAMITE blieb der Blick nach zahllosen Winnenden-Odyseen auf einer interessanten Seite hängen, die – wie der Titel ja schon eindrucksvoll verrät – zur Schulverweigerung aufruft. Nach der weiterführenden Recherche zu diesem Thema stießen erwähnte Funktionäre auf ein Interview (Link s. weiter unten) mit einem der intellektuellen Führer dieser Aktion, welche,  wie hier zu sehen ist, sogar über eine flugs eingerichtete Website verfügt.
Kurz und knapp jetzt noch, worum es eigentlich geht: Diese Intellektuellen fordern den Verbot von tödlichen Sportwaffen. Diese waren beim Amoklauf von Winnenden, nachdem sie bereits 2002 wegen Erfurt in den Fokus der Kritik gekommen waren, erneut nicht dafür vorherbestimmte Kollaborateure einer schrecklichen Bluttat gewesen.
Nach dem Amoklauf von Erfurt hatte die Bundesregierung dann auch schärfere Bestimmungen zur Aufbewahrung dieser tödlichen Gerätschaften, von denen jeder der knapp 2 Millionen Sportschützen im Lande im Durchschnitt 5 hat. Dennoch hat es nichts genützt: Am Mittwoch kam es zu einer schrecklichen Bluttat, bei der 15 Menschen umkamen – weil eine der 15 Waffen des Vaters frei im Haus herumgelegen hatte, samt Munition, sodass es für den Täter, seinen Sohn, ein leichtes war, zu einem ausführenden Mittel zu gelangen.
Um die Möglichkeiten eines Amoklaufs in Zukunft auf ein Minimum zu senken, fordern diese Intellektuellen also jetzt das absolute Verbot tödlicher Sportschützenwaffen und schlagen vor, auf die nicht-tödlichen Waffen beim Sport zurückzugreifen. Weil sich diese Forderung aufgrund der mächtigen Sportschützenlobby nur schwerlich durchsetzen lässt, haben die Mitglieder dieses Projekts dazu aufgerufen, als Schüler den Unterricht zu boykottieren (ergo nicht mehr zur Schule zu gehen), bis der Bundestag ein entsprechendes Gesetz (Verbot aller tödlichen Sportwaffen) auf den Weg gebracht hat. Hinzugedachte Begründung: Zu hohe Gefahr? des Schulgangs.

Dies sei der einzige Weg, so der eine Typ im Interview (ach ja, der Link dazu), um den Bundestag zu diesem Gesetz zu bringen, das mehr Sicherheit garantieren soll.
Ganz nett ist die Idee ja schon, einen gewissen Reiz macht sie auch aus, bloß wer muss leiden, bis so ein Gesetz auf den Weg kommt? Die Noten (weiter gefasst: die Bildung) des Kindes. Und ein paar Schüler werden auch einfach aus ganz unideologistischen Gründen nicht in die Schule gehen, wenn sie davon Wind bekommen („Schule frei immer gut“). Aber das kann den Führern des Projekts eigtl. egal sein: Hauptsache, viele machen mit; umso mehr, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs. Ob sie hoch genug wird, ist zu bezweifeln.

rev

Jungen = dumm! Mädchen = schlau!

März 12, 2009

Seien wir mal ehrlich: Wir haben es doch schon jahrelang geahnt.
Bereits in der Grundschule fing es an: Die bösen Buben mögen sich doch bitte ein Beispiel an den tadellos braven Mädchen nehmen, meinte damals die fürsorgliche Klassenlehrerin (männliche Personen sollen an Grundschulen übrigens nur an Elternsprechtagen, und auch da nur in beschaulicher Zahl, gesichtet worden sein). Und überhaupt galt es immerzu, auf den schwierigen Jungen einzudreschen, ihm die Leviten zu lesen, damit er nur ja den Unterricht nicht störe, damit er nur ja fromm und still dasitze, den Worten der göttlichen Person da vorne gebannt lauschend.

Und so kommt es eben oftmals, wie es kommen muss: Der männliche Schüler passt sich trotz Ermahnungen und Strafaufgaben, trotz in-die-Ecke stellen und Rausschicken nicht an und wird in der Folge – auch wenn das niemand zugeben wird – benachteiligt; womöglich nicht einmal bewusst. Die Lehrkraft sitzt einfach beim Korrigieren über dem Blatt und malt sich den Schüler mal eben aus und wenn er ihr im Unterricht sympathischer ist, wird auch sympatischer bewertet. Automatisch.
Und wenn diese Lehrkraft weiblich ist, wird alles nur noch schlimmer. Denn ein Weibchen kann sich schlechter in ein Männchen hineinversetzen, war es doch noch nie eins (meistens!). Somit fällt es entsprechend schwerer, nachzuvollziehen, wieso solch ein – auf den ersten Blick – absolut unpassendes Verhalten an den Tag gelegt wird. Welches dann entsprechend bekämpft gehört, mit allen Mitteln! Auch mit Noten! Ihr kleinen Pimpfe wollt den totalen Krieg? Den könnt ihr haben!
Aber zu den Mädchen, den braven, angepassten Mädchen, unseren Freundinnen und Geschlechtsgenossinen, müssen wir doch einfach freundlich sein! Solch liebenswürdige Gestalten, die müssen doch einfach schlauer sein als die Jungs!
Und in gewisser Hinsicht sind sie das auch, passen sie sich doch hervorragend in das Schulschema ein, welches besagt: Halt’s Maul, hör zu, lerne! Wobei hier die Frage ist, ob das nicht außerhalb des Einflussraums des Individuums liegt. Einige wichtige Personen hatten in der Vergangenheit ja bereits gefordert, aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungskurven, welche sich später wieder angleichen, ein unterschiedliches Einschulungsalter einzuführen. Heißes Eisen, diese Sache.
Jedenfalls … so geschieht es dann, dass wirklich prozentual erschreckend deutlich mehr Schüler als Schülerinnen auf Hauptschulen landen und auch immer weniger Jungen Abitur machen. Eine anschauliche Statistik, gefunden auf sueddeutsche.de: klick.

Weiterer Problempunkt ist bspw., dass männliche Schüler weniger zum Lesen angeregt werden als ihre weiblichen Leidensgenossen, wodurch sich bei dieser eminent wichtigen Sache mit der Zeit eine öffnende Schere erkennen lässt.
Was also tun? Mehr männliche Grundschullehrer einstellen und darauf achten, dass Lehrpläne zufriedenstellend für beide Geschlechterseiten aufgestellt werden. Mehr Rücksicht auch auf die Bedürfnisse des Jungen nehmen, auch wenn diese zunächst anstrengender erscheinen. Denn nur so lässt sich das Titelklischee, welches immer mehr fälschlicherweise Überhand nimmt, wirklich wieder zurückdrängen. Für mehr Gerechtigkeit und so.

rev.